Wie weit kann ein Mensch wohl gehen?

Wer glaubt an Fräulein Finster eine gute Freundin zu haben, der irrt. In den Jahren als ich mit ihr zusammen war, hatte meine Mutter sich für uns gefreut. Sie war glücklich und sie mochte das Fräulein Finster – mir tat es daher um so mehr weh als es mit ihr zu Ende ging. Mit meiner Mutter, nicht mit Fräulein Finster. Bei ihr wurde Anfang 2016 Lungenkrebs diagnostiziert, einschließlich einiger Metastasen – medizinisch konnte man kaum noch etwas für sie tun, sieht man von der Paleativmedizin ab. Also dafür sorgen dass es möglichst schmerzlos über die Bühne gehen würde.

Ich kann mich daran erinnern dass im Krankenhaus Köln Merheim noch versucht wurde etwas mit der Strahlentherapie zu richten, aber alles was diese Methode angerichtet hatte war dass meine Mutter sich von einer logisch denkenden Frau in ein hilfloses kleines Kind verwandelte, welches nicht einmal mehr in der Lage war selbst zu laufen, und die ihrer Umwelt hilf- und machtlos ausgeliefert war.

Ich begleitete sie bis zum Ende. Ich war es ihr schuldig, und es lastet mir auf der Seele wenn sie mich fragte ob Birgit sie irgendwann besuchen würde. Aber Fräulein Finster hatte keine Zeit – oder keine Lust. Ich weiß es nicht. Ist auch egal. Es war ihr jedenfalls nicht möglich die 15 Kilometer bis zur Paleativstation zu fahren um meiner sterbenden Mutter ein letztes Mal hallo zu sagen. Und es hätte ihr so viel bedeutet. Ich log damals meine Mutter an, suchte nach Entschuldigungen für Fräulein Finster … ich hoffe dass eine derartige Erfahrung Ihnen erspart bleiben wird, denn von allen Dingen die man tun kann, ist das Belügen eines Todgeweihten den man liebt das schmerzhafteste zu dem man gezwungen sein kann.

Auch als es vorbei war, und ich meine Mutter beerdigte hatte sie keine Zeit zum Begräbnis zu erscheinen. Ich stand alleine vor diesem Loch und fragte mich, als ihr Sarg heruntergelassen wurde, ist es das gewesen? Ist das der Lohn für ein Leben voller Aufopferung und Verzicht? Nicht einmal jemand der sich verabschieden würde? Weder die Kollegen auf die sie so lange Zeit so viel gehalten hatte? Nicht die selbsternannten Freunde die von ihr profitiert und gelernt hatten und dann nicht einmal jemand der sie persönlich kannte?

Ist dass das Ende das ein Mensch verdient hat?

Nein. Aber es war ein schmerzvoller Moment in welchem ich meine Freunde sah. Sie waren alle am Grab als ich es zuschüttete, und keiner von denen braucht mir heute noch die Hand zu reichen!

Als ich den Sarg meiner Mutter zuschüttete begrub ich einen Teil meiner Selbst. Und den Glauben an die Freundschaft mit den Menschen die ich damals kannte. Ihr habt euch in meinem Herzen selbst getötet. Und ganz besonders DU Birgit! Und soll ich dir etwas sagen? Wenn du heute denkst du könntest meine Frau bitten mich freizulassen, dann stelle ich mir die Frage wie so ein totes Stück Dreck wie du es zu Stande bringt, fern jeglichen Anstands oder Schamgefühls, überhaupt noch die Kraft aufzubringen in Bezug auf mich etwas zu fordern!

Ich hoffe sehr dass deine “Freunde” erkennen was du bist, bevor sie so dastehen wie ich. Denn dann ist es für sie zu spät zu bereuen, dann steht man einfach nur vor dem Nichts…

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