Wie weit kann ein Mensch wohl gehen?

Der erste Herzinfarkt, da war ich 32. Den habe ich ja noch mit Humor genommen – entstand kurz nachdem ich mit einer Selbstständigkeit als Bootsbauer begonnen hatte. Auf den Kreis meiner Kunden dort hatte Madame Finster keinen großen Einfluss, die kannte ich persönlich. Aber wenn man als Einzelner fünf Boote in ein paar Wochen fertigen soll, ist dies natürlich mit extrem viel Arbeit verbunden. Aber trotzdem, Freunde lässt man nicht hängen – ich damals auch nicht Frau Finster.

Sie wollte renovieren, und ich sollte helfen. Why not? Ich tapezierte, verlegte Laminat und baute ihr neue Möbel. Wohlgemerkt, kein Ikea-Scheiß, sondern tatsächlich handvermessene Handarbeit. Inkl. Zuschneiden, zusammensetzen, beizen, etc. Also ein ganzes Stück Arbeit. Daneben die Selbstständigkeit und irgendwann war es dann so weit. Ein ziehen und Stechen im Brustbereich…

Klar denkt man da, erst Recht wenn man noch jung ist, dass man sich einen Muskel oder dergleichen gezerrt hätte. Die Ernüchterung kam im Krankenhaus. Gut, man konnte das Ding mit Stents behandeln, und ich war recht schnell wieder auf freien Füßen, aber ich war auch angeschlagen.

Meine Arbeit lies ich damals ein paar Wochen ruhen, in welchen ich mich umorientierte. Damals lernte ich auch die Betreiber eines kleinen Medienunternehmens kennen. Die wollten mich als Kameramann und Cutter haben. Ja klasse! Angestellt sein ist immer besser als Selbständig zu schwitzen.

Das ging allerdings auch in die Hosen – „man“ hatte die Betreiberin ja vor mir gewarnt, und beständiges Bohren brachte dann auch tatsächlich einige Schwächen zu Tage. Man ist eben mit angeschlagener Gesundheit nicht so ganz auf der Höhe und kann dauerhaft 110% bringen.

Danach machte ich mich wieder selbstständig. Hatte noch zusätzlich Probleme mit dem Amt, da diese glaubten dass ich ein prall gefülltes Konto bei einer Bank gehabt hätte, und ich erst beweisen musste dass dem nicht so wahr. Die Zeit war extrem stressig für mich, und finanziell war ich so weit am Boden dass ich mich gezwungen sah zu wildern, bzw. meine Nahrung in der Natur zu suchen.

Geld hatte ich keines, und Unterstützung durch meine „Freundin“, Fräulein Finster? Natürlich Fehlanzeige! Man unterstützt doch nicht wen man vernichten will. In dieser Zeit konnte ich mir natürlich auch keine Medikamente mehr leisten, was sich ein paar Monate und Enttäuschungen beruflicher Natur (Wenn sich Menschen plötzlich abwenden) später dann auch in einem zweiten Infarkt auswirkte.

Dieser führte dann auch dazu dass ich meine Wohnung nicht mehr halten konnte.

Sie müssen sich das so vorstellen: Sie begreifen dass Ihre ganzen Investitionen in Ausrüstung, ein kleines Foto- und Filmstudio sowie diverse Gerätschaften die Sie als Mediengestalter brauchen, für den Arsch waren. Sie stehen quasi vor dem Aus und nun bald auch auf der Straße, und was können Sie dagegen tun? Nichts. Denn Sie liegen in einem Krankenhausbett, keiner kommt Sie besuchen weil Ihre Verwandten zu weit weg wohnen, und Ihr einziger verbliebener Freund, bzw. Freundin es nicht für möglich erachtet einmal vorbei zu schauen, obwohl sie es könnte.

Und damit es nicht all zu langweilig ist verbringen Sie wenigstens mit den Pflegern Weihnachten im Krankenhaus. Ganz ehrlich? Ich habe mit Weihnachten eigentlich nicht viel am Hut, aber es tat verdammt weh zu sehen wie andere Besuch bekommen und man selbst auf dem Abstellgleis vor sich hin vegetiert. Wenigstens hatte ich ein paar Wochen vorher wegen der Belastung bereits meine Katze zu meiner Mutter gegeben, sonst hätte ich diese auch noch verloren…

Naja, kaum aus dem Krankenhaus raus, konnte ich meine Sachen in einen Mietwagen packen, und den Kram der in mein altes Kinderzimmer passte mit nach Köln, zurück ins Hotel Mama, bringen. Paar Studenten einen Hunderter in die Hand gedrückt – man hat es ja – und ab damit. Klar, ich hätte dass Zeug welches ich zurückgelassen habe ja verkaufen können, aber dafür braucht man Zeit, und die hatte ich einfach nicht.

Ärgerlich, aber kann man nicht ändern. Wesentlich ärgerlicher war dass ich nach diesem Umzug wieder Probleme mit dem Jobcenter hatte. Diesmal wollte man mir nicht glauben dass ich Herzpatient sei, und dass das alles wirklich so arg war. Begrüdung: Ich war selbstständig, also müsse da doch irgendwelches Geld sein, was ich noch verwenden könne.

Im Grunde war es das gleiche Spiel wie nach dem Verlust meines Jobs. Als hätte „irgendjemand“ dem Jobcenter gesteckt dass es mir finanziell gar nicht so schlecht ginge. Auf die Knochen meiner Mutter leben? Klar, die hat mir geholfen wo es nur ging, aber die hatte auch nicht so viel Geld als Rentnerin. Nach drei Monaten war es dann endlich so weit – nein, kein Geld durch das Jobcenter, sondern Infarkt Nummer drei stellte sich ein.

Diesmal einer der unangenehmen Sorte – Not-OP, Bypass quer durch den Brustkorb … und nicht krankenversichert.

Sie liegen im Krankenhaus und bekommen mitgeteilt dass man nur das Nötigste machen würde, weil man dazu verpflichtet sei – was denken Sie wie behütet Sie sich in diesem Moment fühlen? Ganz ehrlich, ich hatte fast gehofft dass Feierabend wäre, dass mir die Lichter ausgingen und einfach nur Ruhe einkehren würde. War aber nicht so.

Drei Tage nach der OP bin ich aufgewacht und wurde nach weiteren zwei Tagen auf die normale Station verlegt. Immer noch nicht versichert. Von dort aus habe ich, auf eigene Verantwortung, dann dass Krankenhaus für einen Besuch im Jobcenter verlassen. Damit diese Vollpfosten dort endlich begriffen wie es um mich steht. Und ja, nachdem der Amtsvorstand dann die frische Narbe auf meinem Brustkorb, den halb vollen Pissbeutel an meiner Seite, die Zugänge in Armen und am Hals sowie das durch die Erschöpfung aschfahle Gesicht gesehen hatte, wurde mir dann auch endlich Hartz IV zugewilligt…

Da war ich 36…

Danach gab ich die Sache mit der Selbstständigkeit dann auch auf. Es hatte eh keinen Sinn mehr. Postoperative Schmerzen sind bis heute da, heute weiß ich wenigstens warum. Das Sternum wurde nicht richtig geschlossen, und ich laufe quasi seit dem 05.04.2014 mit einem gebrochenem Brustbein durch die Gegend. Einerlei, in der nächsten Zeit soll es endlich gerichtet werden. Vielleicht geht es dann auch wieder beruflich mit mir aufwärts.

Ich hatte auch noch einen vierten Infarkt. Das war im April 2016, als ich die Diagnose bekam das meine Mutter Lungenkrebs habe, der bereits gestreut hatte. Man konnte nur paleativ etwas machen. Vier Infarkte, alle Stressbedingt, und zu einer Reha bin ich lediglich bei dem mit der OP gekommen. Ein Witz.

Aber Fräulein Finster reicht das nicht. Sie muss weiter machen – bis ich am Boden bin. Sie hat am Telefon andeutungen gemacht dass sie mich noch Lieben würde, aber das stimmt nicht. Sie liebt nicht, sie besitzt und sie zerstört lieber was sie zu besitzen denkt, als dass es jemand anderes bekommt.

Und wer glaubt Mitleid mit einem Stalker haben zu müssen, der irrt. Diese Leute leiden nicht unter einer verwirrten Form von Liebe, es ist Zerstörungsdrang der diese treibt. Ich kann es aus erster Hand sagen, und ich wünsche jedem dass er keinem Stalker begegnet. Denn dieser Wahnsinn zerstört einen nur…

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