Wie weit kann ein Mensch wohl gehen?

Vielleicht erinnert sich Fräulein Finster noch an das Jahr 2010 – da hatte ich meinen ersten Infarkt gehabt. Hatte gerade mit einer Selbstständigkeit gestartet, da fiel ihr ein dass ich doch bei ihr renovieren sollte. Dumm wie ich damals war, tat ich dies auch. Naja, Erschöpfung oder was auch immer sonst führten jedenfalls zu meinem ersten Herzinfarkt. Da war ich 32.

Dieser brachte dann auch den Stein ins Rollen und ich entschied dass es Zeit war mich zu trennen. Es war einfach zu viel vorgefallen als dass diese „Beziehung“, wenn man sie so nennen durfte, eine Zukunft gehabt hätte. Danach war erst einmal drei Monate Ruhe, bis sie angekrochen kam, und meine Freundin bleiben wollte. Immer auf dem Laufenden über meine Vorhaben und Ideen sorgte sie dafür dass ich unten blieb.

Geschäftskontakte sprangen ab, neue Kunden wollten plötzlich nichts mehr mit mir zu tun haben und andere hatten dann plötzlich die gleichen Ideen wie ich. Lustigerweise jene Leute mit denen sie Kontakt hatte, und lustigerweise hatten diese den Erfolg den ich mir ausgerechnet hatte.

Ende 2013 hatte ich meinen zweiten Infarkt, und verlor durch ihr Wirken dann auch meine Wohnung. Eine wunderschöne im malerischen Lahnstein. Ziemlich nahe am Rhein und mit einem Ausblick … naja, weg ist weg.

Ist, wie Sie sich sicher ausmalen können, keine sehr schöne Situation. Sie liegen über Weihnachten im Krankenhaus, keiner kommt Sie besuchen und in Ihrem Hinterkopf haben Sie ständig vor Augen dass sie, wenn Sie entlassen werden, höchstwahrscheinlich obdachlos sein werden. Oder zumindest kurz davor stehen.

Damals hat meine Mutter mich wieder aufgenommen – toitoitoi, sonst hätte ich wirklich auf der Straße gestanden. Vier Monate später kam dann der dritte Infarkt. Diesmal mit einer Bypass OP, die große Nummer, quer durch den Brustkorb direkt ans Herz. Das ist übrigens auch die Nummer gewesen, weswegen ich jetzt diesen Beitrag schreibe…

Der letzte Infarkt den hatte ich im April 2016 – als ich die Diagnose erhielt dass meine Mutter Lungenkrebs habe, und dieser bereits gestreut hatte. Konnte man nur noch paleativ behandeln. Also ihr einen möglichst schonungsvollen Tod bescheren. Ich war auch bis zu letzt bei ihr geblieben und hatte ihr die Hand gehalten. Als sie beerdigt wurde, stand ich alleine am Grab. Von meiner tollen „Freundin“ war da nichts zu sehen.

Und ich Idiot war nachts durch Köln gelaufen als ihre Katze starb – naja, man lernt eben aus Fehlern.

Jedenfalls die OP 2014 lief nicht ganz so sauber ab wie ich gehofft hatte. Der Brustkorb war nicht richtig verwachsen, und ein Draht drohte mir in den Herzbeutel zu stechen. Also wurde ich vor einigen Tagen erneut komplett geöffnet. Die alten Drähte wurden entfernt, die Bruchränder der Knochen quasi abgeschabt und mir wurden fünf Platten und 28 Schrauben in den Brustkorb eingebracht, um das ganze Chaos darin zu stabilisieren.

Die Schmerzen die ich habe sind, gelinde gesagt, höllisch. Ich kann derzeit noch nicht richtig atmen, jede Bewegung schmerzt und richtig liegen? Auch kaum möglich. Bei der nächsten Gelegenheit werden ich den Arzt fragen ob er mir Opiate oder Morphine verschreiben kann, da die Standardmedikamente es nur marginal verbessern.

Kommt wahrscheinlich auch wieder ein Entzug auf mich zu – wie 2014 schon einmal.

Wissen Sie was mich heute am meisten foppt? Ich hätte zwischenzeitlich geschäftlich erfolgreich sein können, und der gesundheitliche Aspekt sähe vermutlich auch anders aus. So hat sich meine Lebenserwartung jedenfalls drastisch reduziert und angesichts der Schmerzen die ich habe weiß ich dass ich eine weitere Operation ablehnen würde.

Es ist alles so unnötig, so überflüssig. Und nur weil man einmal im Leben der falschen Person begegnet ist …

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